Prof. Dr. Friedemann Schrenk

Prof. Dr. Friedemann Schrenk, 1999
Stellvertretender Direktor des Landesmuseums Darmstadt,
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt (Leiter der Paläoanthropologie)

Die biokulturelle Evolution

Diese Kunstformel, als Kernpunkt des Ausstellungskonzeptes der art open, fasziniert nicht nur Kunstkenner, sondern enthält auch für Naturgeschichtler Aussagen von hoher Brisanz. Das Prinzip der Evolution, als langsam voranschreitende Entwicklung wird auch bei der biologischen und der kulturellen Evolution des Menschen als Modell genutzt. Auch unsere eigenen Wurzeln liegen in der Natur, daher strebt der Mensch, wie alles Leben auf Erden nach Kontinuität. Alle Lebensvorgänge sind diesem Ziel untergeordnet, sei es durch Wachstum im Individuum oder durch Reproduktion in folgenden Generationen. Dies wäre ohne Weitergabe von Information undenkbar.

Auch wenn die Herkunft oder die Entstehung der ursprünglichen Information umstritten bleibt, ist doch die erste Entwicklung von selbsterhaltenden Systemen aus organischen Molekülen und somit auch die Entstehung von individuellem Leben plausibel erklärbar. Alles weitere ist evolutiver Wandel und beständige Zunahme der Komplexität der Organismen durch Milliarden von Jahren - in Abhängigkeit von den jeweiligen konstruktiven Vorbedingungen der Organismen durch generationsweise stattfindender, genetischer Mutation und individueller lebensraumabhängigen Selektion. Bei den Vorfahren des Menschen zählt hierzu schließlich auch soziales Verhalten und Lernfähigkeit. Neben dieser sozialisierenden Entwicklung trat im Verlauf der Menschwerdung ein individualisierender Trend auf, wie er sich zunächst in der materiellen Herstellung und Verwendung von Werkzeugen äußert.

Spätestens vor ca. 2,5 Mio. Jahren werden Werkzeuge bewusst eingesetzt, um unerwünschte Umwelteinflüsse zureduzieren. Dies markiert den Beginn der kulturellen Evolution und die bis heute immer größer gewordene Abhängigkeit von technischen Hilfsmitteln. Denk-, Sprach-, Kultur- und Bewusstseinsfähigkeit des Menschen, die auf den stofflichen Potenzen des Gehirns beruhen, sind in ihrer Ausprägung nicht frei, sondern durch die historischen Vorbedingungen einer langen Phase der Evolution kanalisiert.

Allerdings heißt dies weder, dass diese Entwicklung in irgendeiner Weise zielgerichtet war, noch, dass nicht durch ein Zusammentreffen verschiedener Faktoren ganz neue Situationen entstehen konnten. Während die Vergrößerung des Gehirns seit ca. 2 Millionen Jahren einer zunehmenden Informationsspeicherung und deren Verarbeitung und Weitergabe dienlich war, die zur Entstehung der Kulturfähigkeit des Menschen beitrug, wurde die eigentliche kulturelle Explosion in der Evolution des Menschen erst vor wenigen tausend Jahren eingeleitet: Neben dem Gehirn wuchsen neue, diesmal externe Informationsspeicher: Tontafeln, Papyrus, Papier, Magnetbänder und CD-ROM. Der nicht-genetische Informationstransfer ist beim Menschen heute sehr viel schneller, umfangreicher und bedeutender, als der genetische. Seit ca. 2,5 Mio. Jahren verringert sich also beim Menschen die biologische Evolution (Informationstransport durch Gene), jedoch nimmt die kulturelle Evolution – durch Sehen und Hören aufgenommen mit Informationstransport durch Sprache – kontinuierlich zu.

Da die Auswirkungen beider Evolutionstrends sich gegenseitig überlagern und beeinflussen, erscheint es plausibel, beim Menschen eine biokulturelle Evolution anzunehmen, die die Entstehung typisch menschlicher Qualitäten erst ermöglicht. Die entscheidende Frage hierbei, ist die der Speicherung von Bewusstsein und Intelligenz. Zweifellos existieren hierfür Mechanismen, auch wenn sie wissenschaftlich noch kaum untersucht, geschweige denn, verstanden sind.

Die Bedeutung der Formel Leben + Bewusstsein = Kunst ist gerade die Definition dieser Lücke in der gängigen wissenschaftlichen Betrachtung. Wenn es die Mechanismen zur Vererbung von Wissen und Erfahrungen gibt, werden Sie auch der wissenschaftlichen Forschung zugänglich werden. Der dadurch mögliche gezielte Eingriff und die rasante Beschleunigung der biokulturellen Evolution würde wohl alle heutigen Möglichkeiten des Klonens weit in den Schatten stellen. Genau betrachtet, beschreibt die Kunstformel der art open Leben + Bewusstseinserweiterung = Kunst vielleicht sogar ein theoretisches Konzept zur biokulturellen Evolution des Menschen insgesamt.

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